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Schimmelpilz in Wohnräumen - Vorbeugung und Bekämpfung

Schimmelpilz in Wohnräumen - Vorbeugung und Bekämpfung

Um Energie zu sparen, werden die Fenster in Häusern immer hermetischer - ein Luftaustausch kann daher nur bei geöffnetem Fenster stattfinden. Gelüftet wird aber, vor allem in der kalten Jahreszeit, relativ selten. Immerhin geht es auch um die Energieersparnis und viele Mieter oder Eigenheimbesitzer wollen die Kosten nicht in die Höhe treiben. Durch geschlossene Fenster bleibt die Wärme im Raum und die Heizung muss nicht aufgedreht werden. Im Grunde ist dies eine gute Theorie - sie hat ihre Schwäche aber beim Schimmelpilz, der sich negativ auf die Wohnqualität und die eigene Gesundheit auswirken kann. Dieser mag feuchtes Klima besonders gerne und Menschen produzieren über den Tag verteilt eine recht große Menge davon, die in der Wohnung bleibt, wenn kein Luftaustausch mit der trockenen Außenluft durch das Lüften stattfindet. Die folgende Tabelle zeigt die ungefähre Menge der produzierten Feuchtigkeit, die Zahlen sind von Jürgen Zühl, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, in einem Paper veröffentlicht worden.


Wer oder Was Abgegebene Feuchtigkeit
Mensch 30 - 50 g/Std.
Kochen ohne Deckel 500 - 1000 g/Std.
Baden/Duschen 1000 - 3000 g/Std.


Gesundheitliche Auswirkungen

Gesundheitliche Auswirkungen

Anhand dieser Zahlen erzeugt ein 3-4 Personenhaushalt etwa 10 bis 30 Liter Feuchtigkeit am Tag - das ist pro Woche etwa eine Badewanne voll mit Wasser. Schimmelpilze brauchen ungefähr eine relative Feuchtigkeit von 60% in Innenräumen, um sich anzusiedeln. Das seltene Lüften kann die Schimmelbildung begünstigen - allerdings ist es nicht allein daran schuld, wie im folgenden Text noch berichtet wird. Neben den unansehnlichen, schwarzen Flecken, die sich auf den Wänden bilden, hat Schimmel noch weitere Auswirkungen. Die Sporen sollen maßgeblich für unter anderem Allergien bei Kindern verantwortlich sein, wie diese Studie der ISOTEC GmbH herausgefunden hat. „Unsere Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen feuchten Wohnbedingungen und Asthma, allergischem Schnupfen und Neurodermitis und zwar unabhängig von der allergischen Veranlagung des Kindes“, so Dr. Gudrun Weinmayr, hauptverantwortliche Ärztin der Studie und Wissenschaftlerin am Ulmer Institut für Epidemiologie und Biometrische Medizin. Laut den Ergebnissen der wissenschaftlichen Arbeit sind feuchte Räume und Schimmel demnach die Hauptauslöser von Allergien; sogar noch vor der weit verbreiteten Allergie gegen Hausstaubmilben. Um repräsentative Ergebnisse zu gewährleisten, wurden die Untersuchungen in einer Langzeitstudie durchgeführt. Die Wissenschaftler befragten 46.000 Eltern aus 20 Ländern, die acht- bis zwölfjährige Kinder in ihrem Haushalt haben. Als zweiter Punkt, um die Ergebnisse der ersten Befragung zu überprüfen, wurden 25.000 Kinder auf Allergien getestet. Als letzten Schritt entnahmen die Wissenschaftler bei 1.100 Familien Staubproben aus dem Wohnzimmer, um diese auf Hausstaubmilben zu untersuchen. Aufgrund dieser dreigeteilten Untersuchungsergebnisse ist die Studie repräsentativ; der Zusammenhang zwischen feuchten Wohnräumen und den erwähnten Krankheiten sei zudem der stärkste und konsistenteste gewesen, so Dr. Weinmayr. Der folgende Text stellt dar, wie Schimmel entstehen kann und welche Maßnahmen es zur Vorbeugung und zur Bekämpfung gibt.

Wie entsteht Schimmelpilz?

Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur sich selbst, sondern vor allem seine Kinder vor dem Schimmelpilz zu schützen. Die Frage bleibt aber, wie genau dieser entsteht. Wenn der Pilz auftritt und der Mieter dies beim Vermieter meldet, sieht dieser es oft nicht ein, die Miete zu mindern oder den Pilz auf eigene Kosten zu entfernen; der Mieter sei immerhin Schuld, er habe nicht richtig gelüftet. Dies ist allerdings nicht der einzige Grund, aus dem Schimmel entstehen kann. Das falsche Lüften kann die Schimmelbildung begünstigen - andersherum beugt richtiges Lüften demnach dem Schimmel vor. Die eigentliche Ursache ist dies oft aber nicht. Die Sporen brauchen nicht viel zum Leben. Das Klima in Wohnräumen mit den Nährstoffen in den Wänden oder in der Luft ist für sie ausreichend. Gepaart mit zu hoher Feuchtigkeit haben sie einen idealen Ort, um zu wachsen. Deswegen kann auch Schimmel durch einen Baumangel oder -schaden entstehen, durch den zu viel Feuchtigkeit in die Wände oder die Wohnung generell gelangt. Beschädigte Dachziegel oder undichte Wasser- und Heizungsrohe können beispielsweise der Grund einer Schimmelbildung sein, beschreibt das Gesundheitsamt Bremen. Es ist wichtig, bei einem Befall die Ursache zu klären, damit die Flecken an den Wänden nicht mehr auftreten. Bei einem baulichen Schaden ist nicht der Mieter Schuld am Schimmelpilzbefall und muss sich um dessen Beseitigung kümmern, sondern der Vermieter.



Maßnahmen zur Vorbeugung

Maßnahmen zur Vorbeugung

Das richtige Lüften ist, wie schon erwähnt, eine gute Maßnahme, um Schimmelbefall vorzubeugen. Dazu gehört, dass mit dem Lüften ein kompletter Austausch der Raumluft mit der Außenluft stattfindet. Eine Viertelstunde das Fenster sperrangelweit auf zu machen, genügt in den meisten Fällen. Nicht zu empfehlen ist ein gekipptes Fenster, da bei diesem der Austausch langsamer vonstattengeht und sich zudem durch die warme Innen- und kalte Außenluft Kondenswasser am Fensterrahmen bilden kann - Feuchtigkeit, wiederum die Schimmelpilzbildung begünstigen kann. Dazu sollte jeder Raum regelmäßig geheizt werden, auch das Schlafzimmer, selbst wenn in diesem nicht viel Zeit verbracht wird. Durch die trockene Heizungsluft senkt sich die Feuchtigkeit in der Luft ein wenig. Deswegen sollte vor allem das Badezimmer im Winter ständig beheizt sein und nach dem Duschen oder Baden gut durchlüftet werden. Wer einige Tage weg fährt, sollte die Heizung in der kalten Jahreszeit auf einer niedrigen Stufe weiterlaufen lassen, empfiehlt zuhause.de. Wer einen Neubau plant, kann sich zur Vorbeugung außerdem überlegen, ein Lüftungssystem einbauen zu lassen; eine Klimaanlage beispielsweise oder die Installation von Deckenventilatoren zum schnelleren Luftaustausch. Es gibt für diese Installation allerdings Regelungen, beispielsweise welche Energieeffiziensklasse diese aufweisen sollten. Im Ratgeber von Creoven finden Interessierte die gesetzlichen Grundlagen sowie Hinweise zu der Qualität. Die Deckenventilatoren bieten sich zudem nicht nur für den Neubau an, sondern auch für eine Installation in schon bestehende Wohnräume. Durch die einerseits schnellere Verteilung der Wärme im Raum und den andererseits effektiveren Luftaustausch mit der Außenluft bei geöffnetem Fenster sind diese Geräte in Häusern, die Schimmelpilzanfällig sind, zu empfehlen.

Entfernung der Schimmelpilze

Entfernung der Schimmelpilze

Die Studie der ISOTEC GmbH hat gezeigt, wie wichtig es ist, bei Feuchte und Schimmel sofort zu handeln. Dies unterstreicht Horst Becker, Gründer und Geschäftsführer von ISOTEC. Er sieht die eigenhändige Entfernung allerdings kritisch. „Viele Schimmelpilzarten setzen bei der Entfernung sogar vermehrt allergieauslösende Sporen frei“, so Becker. Dies bedeutet, dass die Menschen am besten Handschuhe und Schutzbrille bei der Entfernung tragen sollten, sowie die dabei getragenen Kleider danach bei 60°C waschen und sich selbst gründlich abduschen. Dies ist ein großer Aufwand, mit der Gefahr, dass der Schimmelpilz in naher Zukunft wieder auftritt. Wenn eine kleine Fläche betroffen ist, mag das noch ganz gut funktionieren - bei einem Bereich von über einem halben Quadratmeter empfiehlt das Umweltbundesamt aber, Fachleute für die Entfernung zu rufen. Diese suchen nach der Ursache des Schimmels und beseitigen diese. Oft geht damit die Sanierung der Wohnung einher, weil diese beispielsweise zu schlecht gedämmt war und dadurch Feuchtigkeit eindringen konnte. Es reicht laut n-tv deswegen nicht, nur die befallene Tapete zu entfernen und die Wand neu zu tapezieren, wenn die Ursache der Feuchtigkeit in der Wand und nicht in der Wohnung liegt. Die Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung sind in der folgenden Tabelle noch einmal übersichtlich aufgeführt.
Vorbeugung Bekämpfung
Richtig lüften und heizen Ursache suchen, Selbstentfernung nur mit Schutzkleidung
Lüftungssystem installieren Entfernung vom Fachmann, Sanierung der Wohnung

Fazit

Schimmelpilze wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Dies ist ein Fakt, der vor allem durch die erwähnte Studie nicht von der Hand zu weisen ist. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Menschen auf die Gefahren sensibilisiert werden. Zum Teil ist es einigen immerhin schon gelungen, durch einen Schimmelpilzbefall eine Mietminderung von 10% bis 100% zu erhalten, da die Lebensqualität durch die Sporen stark eingeschränkt wird. Wer diesen Pilz in seiner Wohnung entdeckt, sollte deswegen entweder den Mieter informieren und den Rat von einem Fachmann fordern oder, als Eigenheimbesitzer, selbst den Fachmann zu Rate ziehen. Wenn die Ursache des Schimmels bekannt ist, ist es einfacher, diesen nachhaltig zu entfernen, sodass er im besten Fall nicht mehr auftritt. Dazu gehören aber auch die Maßnahmen zur Vorbeugung, damit den Pilzsporen kein attraktiver Lebensraum mehr geboten wird.




Bilder:

Abbildung 1: © londondeposit - Depositphotos.com

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