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Die Bauzinsen sind historisch tief, aber vorsicht

Die Bauzinsen sind historisch tief, aber vorsicht!

Als die EZB vor einiger Zeit den Leitzins von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozentpunkte gesenkt hat, freuten sich wahrscheinlich nur wenige Menschen, denn während das Geld der Sparer kontinuierlich entwertet wird und einige Experten schon von Enteignung sprechen, erreicht der Kapitalmarkt dank der expansiven Geldpolitik der EZB und der FED ein Hoch nach dem nächsten. Einige der wenigen Profiteure sind Käufer von Immobilien, denn dank der bisherigen Leitzinsentwicklung wird der Zinssatz für eine Baufinanzierung entscheidend niedrig gehalten. In diesem Artikel möchte ich der Fragestellung auf den Grund gehen, ob der Bauzins weiterhin niedrig bleibt oder ob es bald zu einem Anstieg der Konditionen kommt?


commons.wikimedia.org © Aktuelle-Bauzinsen.info  (CC BY-SA 3.0)
Bildrechte: commons.wikimedia.org © Aktuelle-Bauzinsen.info (CC BY-SA 3.0)

Zahlreiche Studien und ein Ergebnis: Boom

In den letzten Jahren fühlten sich viele Bundesbürger von der Bundesregierung hinters Licht geführt und misstrauten der Eurorettungspolitik. Laut eine repräsentativen Online-Umfrage von www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umfrage-buerger-misstrauen-europaeischer-krisenpolitik-a-933947.html. Ein Spiegel-Artikel über das Bürgermisstrauen gegen über der Krisenpolitik YouGov stehen 72 Prozent der Bundesbürger der Krisenpolitik der Regierungen, EU und EZB skeptisch gegenüber. Lediglich 15 Prozent vertrauen der Politik und der Europäischen Zentralbank. 56 Prozent der Probanden haben um ihre Altersvorsorge Angst und deshalb ist es auch nur angebracht, dass der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, kurz BVR vor einer Erosion der deutschen Spar- und Vorsorgekultur gewarnt hat. Die Folgen liegen auf der Hand: Die Immobilienbranche boomt. Die niedrigen Zinsen und die Ängste der Sparer fachen die Nachfrage nach dem sogenannten Betongeld an. Experten sprechen in diesem Zusammenhang bereits von der Suprime-Krise 2.0. Michael Brückner schreibt in einem Artikel, welcher auf der Website des info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/michael-brueckner/zeitbombe-baufinanzierung-kaeufer-in-der-zinsfalle.html ein Hintergrundbericht zur Zinsfalle Kopp-Verlags erschienen ist, dass viele Bauherren und Käufer in einer Finanzierungsfalle sitzen. Das Problem: Sie wissen es selbst nicht einmal. Er verweist in seinem Beitrag darauf, dass die Zinsbindung der Banken nach 10 oder 15 Jahren ausläuft und dann erfolgt die Anschlussfinanzierung zu den dann geltenden Konditionen. Steigen die Zinsen auf sechs bis sieben Prozent an, hat das katastrophale Auswirkungen für den Immobilieneigentümer. Alles halb so wild, wenn der Bankberater Ihnen dazu rät, die Tilgungsrate zu erhöhen und Ihnen nicht ein teureres Objekt empfiehlt. Finanzexperte Jörg Sahr sagt in der Zeitschrift Finanztest:


„Vor zehn Jahren waren die Sätze doppelt so hoch… Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank dämpft auch die Kreditzinsen für die privaten Immobilienkäufer… Zudem flüchten internationale Anleger in als sicher geltende Bundeswertpapiere und Pfandbriefe, was die Zinsen ebenfalls niedrig hält.“


Laut einer Studie von FeriEuroRating könnte der Boom in der Immobilienbranche noch bis 2015 anhalten. In Städten wie Hamburg oder München sollen sich nach Angaben der Ratingagentur die Preise um 16, beziehungsweise 11 Prozent in den nächsten drei Jahren erhöhen. Die Bundesbank kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Im Jahr 2012 sind die Preise von 125 deutschen Städten im Durchschnitt um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Die Landessparkassen haben die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik bereits 2011 in Deutschland gespürt. So sind die Anträge für Baugenehmigungen um 22 Prozent gestiegen.


Das Portal ImmobilienScout24 hat im Zeitraum vom Januar 2012 bis März 2012 über 3.000 Finanzierungsanfragen ausgewertet und kam zum Entschluss, dass die niedrigen Bauzinsen für das Stimmungshoch in dem Bereich verantwortlich sind. Gerade jüngere Menschen im Alter zwischen 30 und 45 Jahren seien mit einem Anteil von 61 Prozent am gesamten Datenpool an Finanzierungen interessiert. Im Mittel wurde eine Darlehenssumme von 202.000 Euro angefragt. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei 236.000 Euro.


Im Januar 2013 veröffentlichte ImmobilienScout24 eine weitere Studie. Im Rahmen der Untersuchung wurde 1.055 Immobilienkäufer befragt und das Ergebnis ist wenig überraschend, denn viele Käufer schließen nicht die optimale Finanzierung ab. Jeder dritte glaubt nach Auswertung der Studie, dass er eine zu teure Finanzierung abgeschlossen hat. Zu wenige Angebote werden verglichen und 38 Prozent geben zu, dass sie den angebotenen Zinssatz nicht verhandelt hätten. Jeder vierte Käufer erfragt die Konditionen bei zwei Finanzierungsanbietern. Lediglich 33 Prozent kontaktieren drei unterschiedliche Kreditinstitute zur Finanzierung der Immobilie. Im Endeffekt haben 95 Prozent der Käufer den Kauf von Wohneigentum nicht bereut. 93 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie die finanzielle Herausforderung richtig eingeschätzt haben.


flickr.com © Mail Meid (CC BY 2.0)
Bildrechte: flickr.com © Mail Meid (CC BY 2.0)

Wie beeinflusst die EZB den Bauzins?

Der Leitzins der EZB hat unmittelbaren Einfluss auf den Bauzins für die verschiedenen Laufzeiten von Hypothekendarlehen, denn dieser gilt am Markt als Referenzzinssatz. Die EZB hat die Aufgabe, die Inflation zu bekämpfen und die Konjunktur zu beleben. In den letzten Monaten ist die Institution wegen Verletzung ihres Mandats in die Schlagzeilen gekommen, denn Ökonomen werfen ihr vor, drittklassige Sicherheiten von potentiellen Pleitestaaten zu akzeptieren und somit deren Defizite zu finanzieren. Fakt ist, dass die Südländer dank der Lockerung der Sicherheiten schnell an Geld kommen und die EZB zur Bad Bank wird. Mit dem Geld kaufen die Südländer in Deutschland, England und Co ein und treiben somit die Preise am Immobilienmarkt weiter in die Höhe. Es findet eine Umverteilung statt. Das Nachsehen hat der deutsche Steuerzahler, denn die Target-Salden befinden sich auf einem sehr hohen Niveau. Solange die Währungsunion nicht auseinander bricht, ist das alles kein Problem. Sollte ein Land wie Griechenland die Eurozone verlassen, muss die Bundesbank die Target-Salden abschreiben.


Der Leitzins von 0,25 Prozent wird in den nächsten Monaten wohl unverändert bleiben. Neben den Leitzinsen ist die Pfandbriefkurve besonders wichtig, denn diese gibt einen Überblick über die Refinanzierungskonditionen der Banken. Die Kurve ist heute fast 50 Prozent niedriger als noch vor fünfzig Jahren und ein Anstieg wird von Experten vorerst ausgeschlossen.

In einer Umfrage fand die Bundesbank heraus, dass die Bankinstitute den Zugang zu Baudarlehen erschweren wollen. Dadurch wollen die Banken eine Immobilienblase in Deutschland verhindern (Zum Artikel vom www.focus.de/immobilien/finanzieren/ende-der-billig-kredite-bundesbank-warnt-bauzinsen-steigen-drastisch_aid_909929.html). Die Institute sorgen sich darüber, dass die Käufer die Lage als zu optimistisch einschätzen und somit den Boom noch weiter anheizen.


Ratschläge bevor Sie eine Finanzierung eingehen.

Der Zeitpunkt zum Bauen ist wirklich gut und nicht denkbar schlecht, wenn man einige Dinge beachtet. Zum einen wäre da das Eigenkapital. Viele haben lediglich 10 Prozent Eigenkapital. Meiner Meinung nach ist das zu wenig. Es sollten mindestens 30 Prozent sein. Was kostet die Immobilie und wie hoch ist Ihr Budget. Wenn Sie sich Ihre Traumimmobilie nicht leisten können, dann suchen Sie eine Alternative. Vergleichen Sie mindestens drei Finanzierungsangebote und verhandeln Sie die Zinsen. Sie sollten unbedingt erfragen, wie lange die Zinsbindung gilt. Schätzen Sie den Kauf realistisch ein.


Wer die oben genannten Ratschläge beherzigt, wird viel Spaß an seinem Investment haben.

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