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Baumabstand zum Nachbargrundstück: Was Sie wissen müssen

von Lina Müller
Baumabstand zum Nachbargrundstück: Was Sie wissen müssen

Ein schöner Garten ist für viele Eigenheimbesitzer ein großer Bestandteil ihres Wohlbefindens. Bäume sorgen hierbei nicht nur für Schatten, sondern sind auch eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Vögel sowie Sauerstoffspender. Doch wenn der Baum zu nahe an der Grenze zum Nachbargrundstück steht, kann es schnell zu Unstimmigkeiten kommen. In diesem Artikel wollen wir Ihnen die wichtigsten Informationen rund um das Thema Baumabstand zum Nachbargrundstück geben.

Gesetzliche Regelungen zum Grenzabstand von Bäumen

In Deutschland gibt es landesrechtliche Vorschriften zur Festlegung von Grenzabständen für Bäume, Hecken und Sträucher. Diese Regelungen sollen nicht nur einen ordnungsgemäßen Zustand auf dem eigenen Grundstück sicherstellen, sondern auch mögliche Beeinträchtigungen des benachbarten Grundstücks vermeiden. Die exakten Vorgaben unterscheiden sich jedoch je nach Bundesland und können in den jeweiligen Nachbarschaftsgesetzen bzw. Landesbauordnungen gefunden werden. Zu beachten ist, dass diese Abstandsregelungen unter Umständen von örtlichen Baumschutzsatzungen abweichen können.

Beispiele für landestypische Grenzabstandsregelungen

  • Bayern: Mindestabstand gemäß Art. 47 BayAGBGB beträgt für Bäume >3 Meter, für Hecken und Sträucher >0,5 Meter.
  • Baden-Württemberg: Gemäß §12 des Nachbarschaftsgesetzes Baden-Württemberg sind Mindestabstände von 2 Metern bei einer Baumhöhe über 5m vorgeschrieben, bei kleineren Bäumen bzw. Hecken gilt ein Mindestabstand von 0,5 Metern.
  • Hessen: Nach § 9 Abs. 1 des Hessischen Nachbarrechtsgesetz liegt der Abstand für Bäume, die höher als vier Meter sind, bei drei Metern, während Obstbäume unabhängig ihrer Höhe einen Abstand von zwei Metern zu Grenzbepflanzungen einhalten müssen.
  • Nordrhein-Westfalen: In Nordrhein-Westfalen schreibt das Gesetz zur Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (AGBGB) in § 23 einen Mindestabstand von zwei Metern zu nachbarlichen Grundstücksgrenzen für Bäume und Sträucher vor.

Da diese Beispiele nur eine Auswahl darstellen und die Regelungen je nach Bundesland deutlich variieren können, ist es ratsam, sich im Zweifelsfall bei der zuständigen Behörde oder einem Anwalt genauer zu informieren.

Mögliche Konsequenzen bei Nichteinhaltung des Grenzabstands

Wenn ein Baum die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzabstände nicht einhält, können Nachbarn unter Umständen Maßnahmen fordern, um die Situation zu bereinigen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Fällung des Baumes,
  • Rückschnitt bzw. Kronenreduktion,
  • Umpflanzung.

Dies hat in der Regel auch den Anspruch auf Schadensersatz zur Folge, wenn durch das Versäumnis des Baumabstands zum Nachbargrundstück tatsächlich ein erheblicher Schaden entstanden ist (z. B. einen Riss im Mauerwerk verursacht).

Schattenwurf und Baumschnitt: weitere Aspekte rund um den nachbarschaftlichen Umgang mit Bäumen

Abseits von gesetzlichen Vorschriften bezüglich Grenzabständen, gibt es noch einige weitere Gesichtspunkte, die im Zusammenhang mit Bäumen auf einem Grundstück und dem Verhältnis zum Nachbarn relevant sind. Hierzu gehören insbesondere Lichteinfall und Schattenwurf, sowie Laub- oder Äste-Herüberfall auf das benachbarte Grundstück.

Schattenwurf

Es gibt keine gesetzliche Regelung, die besagt, wie viel Schatten ein Nachbar durch einen auf dem angrenzenden Grundstück stehenden Baum dulden muss. Allerdings entschied das Bayerische Oberlandesgericht München (12 W 490/95) bereits im Jahr 1995, dass das Zufügen eines Schattens durch einen Baum auf dem Nachbargrundstück keinen Rechtsverstoß darstellt. Daraus resultierende Beeinträchtigungen sind also grundsätzlich hinzunehmen, solange keine konkreten Abstandsregelungen verletzt werden.

Baumschnitt und Laub- bzw. Äste-Herüberfall

Ebenso wie beim Thema Schattenwurf gilt auch für den Baumschnitt und das Herüberfallen von Laub oder Ästen auf das Nachbargrundstück: Eine generelle gesetzliche Regelung existiert nicht. Gleichwohl haben mehrere Gerichte entschieden, dass in bestimmten Fällen ein Anspruch auf gezielten Rückschnitt bestehen kann.

Sollte sich das Laub beispielsweise so häufen, dass hierdurch eine erhebliche Beeinträchtigung des benachbarten Grundstücks entsteht (z. B. Versperrung der Dachrinne), kann der betroffene Nachbar unter Umständen einen Rückschnitt erbitten.

Zu beachten ist allerdings, dass sowohl beim Schattenwurf als auch bei Fragen zu Baumschnitt oder Laubherüberfall eine Einzelfallentscheidung notwendig ist. Zusammengefasst heißt dies, dass – unabhängig von gesetzlich vorgegebenen Grenzabständen – jeder Sachverhalt individuell betrachtet werden sollte und, falls nötig, ein Kompromiss zwischen den Parteien gefunden werden muss.

Fazit: Dialog und gegenseitige Rücksichtnahme sind das A und O beim Thema Baumabstand zum Nachbargrundstück

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Einhaltung von gesetzlichen Regelungen zum Grenzabstand für Bäume und Sträucher unerlässlich ist, um unnötige Konflikte mit dem Nachbarn zu vermeiden. Aber auch im Umgang mit Schattenwurf, Baumschnitt oder Laubherüberfall sind ein offener Dialog und eine wechselseitige Rücksichtnahme wichtig, um einen harmonischen Umgang unter Nachbarn zu erhalten.

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